Über diese Seite

optimistic.day ist ein Kalender mit einem Gedanken für jeden Tag. Zu jedem Gedanken gibt es einen kurzen Begleittext und ein Bild von Anna Atkins. Du kannst den heutigen Eintrag lesen oder im Archiv blättern. Im nächsten Jahr begegnen dir dieselben Gedanken wieder — vielleicht bleibst du dann an einer anderen Stelle hängen.

Angefangen hat die Sammlung mit stoischen Gedanken. Inzwischen stehen neben Seneca, Epiktet und Marc Aurel auch Schriftsteller, Naturforscher und Philosophen anderer Richtungen. Mich interessieren ihre Versuche, sich selbst zu verstehen: wie sie die eigenen Gewohnheiten bemerken, an einer Überzeugung zweifeln oder ihre Meinung ändern.

Die Begleittexte

Ich wollte für jeden Tag einen Gedanken sammeln und etwas daneben stellen, das mich den Gedanken weiterspinnen lässt. Eine Anekdote, Geschichte oder Beobachtung, manchmal eine Frage.

So sind die Begleittexte entstanden. Sie bringen Menschen und Begebenheiten ins Spiel, an die ich bei einem Satz vielleicht nicht gedacht hätte. Was jemand getan oder erlebt hat, kann einem Gedanken eine Richtung geben, auf die man beim Lesen allein nicht gekommen wäre. Manchmal macht eine Geschichte den Satz auch schwieriger. Dann beschäftigt er mich auf eine andere Weise weiter.

Anna Atkins

Anna Atkins habe ich durch einen dieser Begleittexte entdeckt. Ihr Name kam darin vor, und ich habe mir ihre Bilder angesehen. Bis dahin kannte ich sie nicht. Daraus entstand die Idee, ihre Tafeln auf optimistic.day zu zeigen.

Auch die Bilder von Anna Atkins stehen für mich neben dem Gedanken. Eine Alge am Strand ist uns so vertraut, dass wir oft kaum hinsehen. Auf ihren Tafeln sehe ich plötzlich die feinen Verzweigungen, die Formen und wie unterschiedlich die einzelnen Algen sind. Etwas Bekanntes zeigt eine andere Facette, wenn ich es aus der Nähe und mit mehr Aufmerksamkeit betrachte.

Mich fasziniert auch, wie diese Bilder entstanden sind. Atkins brachte ihre botanischen Kenntnisse und ihre Erfahrung als Zeichnerin mit einem fotografischen Verfahren zusammen, das gerade erst erfunden worden war. Die Pflanzen selbst hinterließen ihre hellen Formen auf dem blauen Papier. Daraus entwickelte sie das erste fotografisch illustrierte Buch, dessen erste Lieferung 1843 erschien. Jede Tafel in jedem Exemplar musste einzeln belichtet werden. Sie hatte eine neue Möglichkeit gesehen und daraus in jahrelanger Arbeit etwas gemacht, das es bis dahin nicht gab.

Die Tafeln hier sind Faksimiles aus den Digital Collections der New York Public Library. Man sieht die Ränder, die Beschriftungen und die Unterschiede zwischen den einzelnen Blättern. Ich wollte sie so zeigen, weil auch diese Spuren zu den Bildern gehören.

Vielleicht liegt darin auch etwas von dem Optimismus, den ich mit der Seite verbinde: dass in einem vertrauten Gedanken oder einer Alge am Strand noch etwas zu entdecken ist. Dass ich etwas noch einmal ansehen und dabei auf einen anderen Gedanken kommen kann.

Mehr über Anna Atkins, ihr Verfahren und ihre Cyanotypien ›

KI hilft mir beim Schreiben

Ich habe oft eine Vorstellung davon, was mich an einem Gedanken interessiert, finde aber selbst schwer die Worte dafür. Mit KI kann ich nach Geschichten suchen, Formulierungen ausprobieren und an einem Text so lange arbeiten, bis ich darin wiederfinde, was ich sagen wollte.

Ich lese die Entwürfe, wähle aus und ändere sie. Manchmal merke ich erst an einer Formulierung, die nicht passt, was ich eigentlich meine. Auch dabei spinnt sich der Gedanke weiter.

Stefan Grunert