Montag, 2. November 2026
Jene selige Stimmung, in der die Last des Rätsels leichter wird, bis wir mit stillem Auge ins Leben der Dinge sehen.
Zeilen oberhalb von Tintern Abbey (frei übertragen)
Die Kirschen
Jene selige Stimmung, in der die Last des Rätsels leichter wird, bis wir mit stillem Auge ins Leben der Dinge sehen.
Sido hatte eine Vogelscheuche in den Kirschbaum gehängt. Einige Tage später fand ihre Tochter sie unter diesem Baum, den Kopf nach oben gewandt. Sie sollte still sein und hinsehen.
Eine Amsel fraß die Kirschen. Im schwarzen Gefieder glänzten Grün und Violett. Sido zeigte ihrer Tochter, wie der Vogel seine Kralle einsetzte, den Kopf bewegte und mit dem Schnabel den Kern freilegte. Nur die reifsten Früchte suchte er aus.
Die Tochter erinnerte an die Vogelscheuche. Sido flüsterte, die störe ihn nicht. Aber die Kirschen, wandte das Kind ein.
Erst jetzt kam die Mutter darauf zurück. Ja, die Kirschen. Die Amsel war inzwischen satt davongeflogen. Im Wind bewegte sich der leere Hut der Vogelscheuche.