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4. JanuarDas Mitgefühl ist der Keim der Menschlichkeit, die Scham der Keim des Rechts. Diese Anfänge trägt jeder in sich wie der Same den Baum — es gilt, sie zu nähren, nicht erst zu pflanzen.
27. MärzSchlimmer als Unrecht zu leiden ist, Unrecht zu tun. Denn die Wunde des Erleidenden trifft den Leib — die des Tuenden trifft die Seele.
16. AprilWo Hass ist, lass mich Liebe bringen; wo Verletzung, Verzeihung. Denn im Geben empfangen wir, im Verzeihen wird uns verziehen.
20. AprilWas du selbst nicht wünschst, das tue auch den Menschen nicht an.
1. JuniBei jeder Lust: Warte. Halte dir beide Zeiten vor Augen — die, in der du sie genießen wirst, und die, in der du sie danach bereust und dich selbst schiltst. Und dagegen: wie du dich freuen und loben wirst, wenn du dich enthalten hast.
2. JuliIch führte ein kleines Buch und strich jeden Tag an, wo ich gegen meine Vorsätze gefehlt hatte. Wer ehrlich Buch über sich führt, kann sich schwerer belügen.
18. AugustDie Selbstliebe ist der geschickteste aller Schmeichler; sie legt einen Nebel über unsere Beweggründe, den nur durchschaut, wer ihn bei sich selbst vermutet.
27. SeptemberDer Geist muss täglich zur Rechenschaft gerufen werden. Sextius tat es: Am Ende des Tages fragte er sich — Welches deiner Übel hast du heute geheilt? Welchem Fehler widerstanden? Worin bist du besser geworden? Der Zorn wird milder, der weiß, dass er täglich vor den Richter muss. Und welch ein Schlaf folgt auf diese Musterung!
Dazu findet sich hier kein Gedanke.