23. Dezember
Frei ist allein der Weise. Denn Freiheit ist nicht, zu tun, was man will, sondern Herr über sein Wollen zu sein. Wer seinen Begierden dient, ist Sklave, trüge er auch keine Kette.
Paradoxa Stoicorum (frei übertragen)
Hörmodus
Frei ist allein der Weise. Denn Freiheit ist nicht, zu tun, was man will, sondern Herr über sein Wollen zu sein. Wer seinen Begierden dient, ist Sklave, trüge er auch keine Kette.
Manchmal wünschst du dir, etwas weniger zu wollen. Du merkst, wie oft du abends noch eine Folge anfängst, obwohl du längst müde bist, und nimmst dir vor, damit aufzuhören. In diesem Moment gibt es zwei Wünsche, und du stellst dich auf die Seite des einen.
Nach ein paar Wochen gelingt es. Du zählst die Abende, an denen du standhaft warst, und ein verpatzter ärgert dich mehr, als die Folge selbst je wert gewesen wäre. Auch der Vorsatz hat angefangen, etwas von dir zu verlangen. Er ist nur angesehener als das, was er verdrängt hat.
Darin liegt eine Schwierigkeit: Über dein Wollen entscheidest du immer mit einem anderen Wollen. Einen Platz außerhalb davon, von dem aus du unbeteiligt regieren könntest, gibt es nicht. Der Unterschied liegt vielleicht weniger darin, welcher Wunsch sich durchsetzt, als darin, ob du ihn noch fragen kannst, wofür er eigentlich da ist.
An einem Abend schaust du die Folge wieder an, weil sie gut ist, und du weißt ziemlich genau, warum. Am nächsten liest du. Erst später fällt dir auf, dass du nicht mitgezählt hast.