20. Dezember
Der lebt wirklich, der vielen nützt. Der lebt, der sich selbst gebraucht.
Briefe an Lucilius, 60. Brief
Hörmodus
Der lebt wirklich, der vielen nützt. Der lebt, der sich selbst gebraucht.
Es gibt Tage, an denen du von morgens bis abends gebraucht wirst. Jemand will eine Auskunft, eine Unterschrift, eine zweite Meinung, dein Auto für Samstag. Du hilfst gern, und am Abend bist du auf eine Weise müde, die sich verdient anfühlt.
Trotzdem kann dabei etwas unberührt bleiben. Gefragt wird meist nach dem, was du zuverlässig kannst. Was du noch nicht ganz beherrschst und gern weiterführen würdest, interessiert kaum jemanden. Gebraucht zu werden und dich selbst zu gebrauchen, fällt nicht von allein zusammen. Das eine richtet sich nach der Nachfrage, das andere nach etwas, wonach selten jemand fragt.
Umgekehrt ist es auch nicht einfacher. Was du nur für dich tust, bleibt manchmal merkwürdig leicht, solange niemand damit etwas anfangen kann. Ob es Gewicht hat, merkst du oft erst, wenn es bei einem anderen ankommt.
Manchmal fragt dich jemand ausgerechnet nach dem, was du noch nicht sicher kannst. Du sagst trotzdem zu, und es wird ein langer Abend.