19. Dezember
Was ist die Aufgabe? Wie ein Fels standzuhalten, an dem die Brandung sich bricht — und dabei so mild zu bleiben, dass niemand die Härte spürt außer der Brandung selbst.
nach Selbstbetrachtungen IV,49 (frei weitergedacht)
Hörmodus
Was ist die Aufgabe? Wie ein Fels standzuhalten, an dem die Brandung sich bricht — und dabei so mild zu bleiben, dass niemand die Härte spürt außer der Brandung selbst.
Wenn du etwas ablehnst und dabei freundlich bleibst, hoffst du vielleicht, es dem anderen damit leichter zu machen. Oft ist es umgekehrt. Ein gereiztes Nein bietet etwas, woran er sich halten kann: Er kann sich über den Ton beschweren oder darauf warten, dass du nach dem Ärger einlenkst. Ein ruhiges Nein lässt nur die Sache selbst übrig, und an ihr ändert sich nichts.
So kann gerade deine Gelassenheit für ihn zur eigentlichen Zumutung werden. Er bekommt keinen Streit, in dem er recht behalten könnte. Er stößt nur auf eine Grenze, die sich nicht bewegt und sich dafür auch nicht entschuldigt.
Wer danebensteht, erlebt etwas anderes: einen höflichen Wortwechsel, in dem niemand laut geworden ist. Reagiert der andere danach gekränkt, wirkt er leicht empfindlich. Dabei hat er sich nichts eingebildet. Er hat als Einziger ausprobiert, wie weit du nachgibst, und deshalb auch als Einziger gemerkt, wie wenig.
Vielleicht war es richtig, dass du geblieben bist, wo du warst. Wenn er später sagt, du seist hart gewesen, widersprechen ihm die anderen. Du nicht unbedingt.