17. Dezember
Wenn dich etwas Äußeres schmerzt, so ist es nicht dieses, was dich quält, sondern dein Urteil darüber. Und dieses Urteil auszulöschen, steht jetzt in deiner Macht.
Selbstbetrachtungen VIII,47
Hörmodus
Wenn dich etwas Äußeres schmerzt, so ist es nicht dieses, was dich quält, sondern dein Urteil darüber. Und dieses Urteil auszulöschen, steht jetzt in deiner Macht.
Eine Bemerkung dauerte vielleicht drei Sekunden. Du trägst sie seit Tagen mit dir herum, und bei jedem Wiederholen wird sie etwas genauer: Du ergänzt den Tonfall, den Blick dazu, die Absicht dahinter. Irgendwann ist die Fassung in deinem Kopf schärfer als das, was tatsächlich gesagt wurde. Diesen Teil hat niemand anders formuliert.
Trotzdem fällt es schwer, ihn loszulassen. Das Urteil fühlt sich nicht wie eine Zutat an, sondern wie ein Rest von Selbstachtung. Würdest du aufhören, die Kränkung zu bewerten, sähe es aus, als hättest du sie hingenommen. Als wäre es eben doch in Ordnung gewesen.
Vielleicht steckt gerade darin eine Verwechslung. Dass etwas nicht in Ordnung war, kannst du festhalten und auch aussprechen, sogar dem anderen gegenüber. Das Urteil, das dich quält, sagt meist etwas anderes: was die Bemerkung über dich beweist, wie sie sonst noch gemeint sein könnte, was du hättest erwidern sollen.
Dieses zweite Urteil verteidigt dich nicht. Es spielt die drei Sekunden nur noch einmal ab.