11. Dezember

„Die höchste Güte gleicht dem Wasser: Es nährt alle Dinge und streitet mit keinem. Es verweilt an den niederen Orten, die jeder meidet — und gerade darin ist es dem Weg nah.“

Laotse Tao Te King, 8 (frei übertragen)

Hörmodus

„Die höchste Güte gleicht dem Wasser: Es nährt alle Dinge und streitet mit keinem. Es verweilt an den niederen Orten, die jeder meidet — und gerade darin ist es dem Weg nah.“

Laotse

In einer Besprechung setzt sich ein Gedanke durch, den du eine Woche zuvor beiläufig geäußert hast. Jetzt bringt ihn jemand anderes vor, etwas besser formuliert, und alle nicken. Du könntest daran erinnern, dass er von dir stammt. Der Sache würde das nicht helfen.

Du sagst nichts. Kurz darauf merkst du, dass es dich doch beschäftigt. Offenbar wolltest du nicht nur, dass der Gedanke gilt, sondern auch, dass er als deiner gilt. Das ist keine Schande. Es macht dein Schweigen nur weniger großmütig, als es sich im ersten Moment angefühlt hat.

Schwieriger ist eine andere Unterscheidung. Wer nicht streitet, kann großzügig sein oder einfach dem Konflikt ausweichen. Von außen sieht beides gleich aus, und auch von innen lässt es sich nicht immer trennen. Manchmal überlässt du anderen eine Sache, weil sie bei ihnen gut aufgehoben ist. Manchmal, weil du nicht sichtbar werden willst.

Deutlicher wird der Unterschied erst, wenn ohne deinen Einspruch etwas schiefginge. Bei diesem Gedanken war das nicht der Fall. Er ist gut angekommen, nur eben ohne deinen Namen.

Anna Atkins, Fucus tuberculatus, Cyanotypie
Fucus tuberculatus · Anna Atkins, Cyanotypie, 1843–53 · aus Photographs of British Algae Mehr über Anna Atkins ›
Anna Atkins, Fucus tuberculatus, Cyanotypie

Fucus tuberculatus · Anna Atkins, Cyanotypie, 1843–53 · aus Photographs of British Algae