8. Dezember
Wische die Vorstellung aus. Halte den Trieb an. Lösche das Begehren. Behalte das leitende Selbst in deiner Macht.
Selbstbetrachtungen IX,7
Hörmodus
Wische die Vorstellung aus. Halte den Trieb an. Lösche das Begehren. Behalte das leitende Selbst in deiner Macht.
Manchmal hältst du dich zurück und weißt hinterher nicht genau, wer da eigentlich gebremst hat. In einer Besprechung liegt dir eine scharfe Bemerkung auf der Zunge, und du schluckst sie hinunter. Das sieht nach Besonnenheit aus. Vielleicht war es aber auch nur die Sorge, wie du danach dastehst, oder eine Müdigkeit, die keine Auseinandersetzung mehr will.
Dann hätte kein ruhiges Urteil einen Trieb angehalten, sondern ein Trieb einen anderen. Von außen lässt sich das nicht unterscheiden, und von innen oft auch nicht sofort. In beiden Fällen bleibt der Satz ungesagt.
Ein Unterschied zeigt sich eher später. Was aus Sorge zurückgehalten wurde, meldet sich wieder: auf dem Heimweg, in einer Erwiderung, die du im Kopf ausformulierst. Was du tatsächlich geprüft und für unwichtig befunden hast, verliert dagegen an Gewicht, ohne dass du es eigens beiseiteschieben musst.
Ganz sauber trennt sich das selten. Am Abend fällt dir die Bemerkung noch einmal ein. Sie war gar nicht so falsch, nur der Ton hätte nicht gepasst. Den richtigen hättest du erst finden müssen.