5. Dezember
Von nun an bitte ich nicht mehr um Glück — ich selbst bin das Glück. Ich klage nicht mehr, schiebe nichts mehr auf, brauche nichts.
Grasblätter, Lied von der offenen Straße (frei übertragen)
Hörmodus
Von nun an bitte ich nicht mehr um Glück — ich selbst bin das Glück. Ich klage nicht mehr, schiebe nichts mehr auf, brauche nichts.
Ein Satz, der mit „wenn erst“ beginnt, ist nützlicher, als er klingt. Wenn erst diese Arbeit abgeschlossen ist, wenn erst mehr Zeit bleibt, wenn erst die Lage sich beruhigt hat. Er verschiebt nicht nur etwas Erhofftes nach hinten. Er schützt auch die Gegenwart vor einem Urteil. Solange das Eigentliche noch bevorsteht, muss sich dieser Tag nicht daran messen lassen, ob er gut ist. Er gilt als Vorbereitung.
Lässt du den Satz weg, stellt sich nicht sofort Erfüllung ein, eher eine gewisse Schutzlosigkeit. Ein zäher Nachmittag ist dann kein Umweg mehr, sondern ein zäher Nachmittag deines Lebens. Dafür gehört dir auch das Gespräch am Abend ganz, statt bloß eine Pause zwischen Wichtigerem zu sein.
Ohne Wünsche wirst du deshalb nicht leben, und das musst du auch nicht. Manches willst du tatsächlich noch erreichen. Der Unterschied liegt woanders: Ein Wunsch kann dich nach vorn ziehen oder dir erlauben, das Heute noch nicht ernst zu nehmen. Von außen sehen beide gleich aus.
Welchen du gerade hast, merkst du selten daran, was du dir wünschst.