4. Dezember

Du bist nicht, was du siehst — du bist der, der sieht. Nimm den einen Gedanken 'ich bin gebunden' weg, und keine Fessel bleibt. Frei bist du nicht am Ende des Weges; frei bist du, sobald du aufhörst, dich für unfrei zu halten.

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Du bist nicht, was du siehst — du bist der, der sieht. Nimm den einen Gedanken 'ich bin gebunden' weg, und keine Fessel bleibt. Frei bist du nicht am Ende des Weges; frei bist du, sobald du aufhörst, dich für unfrei zu halten.

Ashtavakra-Gita

„Ich habe keine Wahl“ ist ein erstaunlich bequemer Satz. Du sagst ihn vielleicht, wenn du wieder zusagst, obwohl du müde bist, oder wenn du bleibst, wo du eigentlich gehen wolltest. Manche Grenzen sind tatsächlich fest. Oft aber gäbe es eine Wahl, nur eine teure: Ärger, Unsicherheit, ein Gespräch, das du lieber nicht führen würdest.

Zwischen unmöglich und teuer liegt ein großer Unterschied, und der Satz verwischt ihn. Er nimmt dir eine Last ab, aber zugleich die Entscheidung. Solange du gebunden bist, musst du nichts verantworten, nicht einmal dein Bleiben.

Sagst du stattdessen: „Ich tue das, weil mir der Preis für das andere zu hoch ist“, ändert sich äußerlich nichts. Du tust dasselbe wie vorher, mit derselben Müdigkeit. Doch jetzt gehört das Bleiben dir. Das kann leichter sein. Es kann auch schwerer sein, weil die Umstände dich nicht mehr verdecken.

Manchmal merkst du dann, dass du den Preis längst zahlen würdest. Manchmal auch, dass du bleiben willst und dich nur nie gefragt hattest.

Anna Atkins, Polysiphonia urceolata, Cyanotypie
Polysiphonia urceolata · Anna Atkins, Cyanotypie, 1843–53 · aus Photographs of British Algae Mehr über Anna Atkins ›
Anna Atkins, Polysiphonia urceolata, Cyanotypie

Polysiphonia urceolata · Anna Atkins, Cyanotypie, 1843–53 · aus Photographs of British Algae