25. November
Ich habe die Fehler gezeichnet: den Prahler, den Geizigen, den Schmeichler, den ewig Klagenden. Wer die Untugenden im anderen scharf erkennt, hält den Spiegel schon in der Hand, um am eigenen Wesen zu bessern.
Charaktere (frei übertragen)
Hörmodus
Ich habe die Fehler gezeichnet: den Prahler, den Geizigen, den Schmeichler, den ewig Klagenden. Wer die Untugenden im anderen scharf erkennt, hält den Spiegel schon in der Hand, um am eigenen Wesen zu bessern.
Manche Eigenheiten anderer kannst du erstaunlich genau beschreiben. Wie jemand ein Gespräch unauffällig zu den eigenen Erfolgen lenkt. Wie ein anderer jede Rechnung so aufteilt, dass er nie einen Cent zu viel zahlt. Die Genauigkeit macht Freude, und sie fühlt sich fast an wie ein Beleg dafür, dass du selbst anders bist.
Bei anderen siehst du allerdings vor allem das Verhalten. Bei dir selbst kennst du zuerst die Gründe. Wenn du von dir erzählst, wolltest du nur etwas erklären. Wenn du sparst, war es eben ein knapper Monat. Von innen sieht kaum ein Fehler wie ein Fehler aus, eher wie eine verständliche Antwort auf die Umstände.
Deshalb nützt dir der scharfe Blick nur bedingt. Er trifft, solange er nach außen gerichtet ist. Richtest du ihn auf dich, liegt neben jeder Beobachtung sofort eine Erklärung bereit. Vermutlich ist es dieselbe, die der andere dir nennen würde, wenn du ihn fragtest.
Beim nächsten Essen erzählst du von etwas, das dir gelungen ist. Jemand hatte schließlich danach gefragt, und es kommt dir vor wie eine bloße Auskunft.