22. November
Besser die eigene Pflicht, unvollkommen erfüllt, als die fremde, gut getan.
Bhagavadgita (frei übertragen)
Hörmodus
Besser die eigene Pflicht, unvollkommen erfüllt, als die fremde, gut getan.
Für die Schwierigkeiten anderer hast du oft erstaunlich gute Antworten. Eine Freundin erzählt von einem Streit, und du siehst sofort, wo sie nachgeben könnte und wo besser nicht. Du sagst es ruhig und genau. Sie nickt.
In deinen eigenen Angelegenheiten gelingt dir das seltener. Die Lage ist kaum verwickelter, aber du steckst mitten darin. Jede mögliche Antwort hat Folgen, die du selbst tragen müsstest, und eine Vorgeschichte, die du nicht einfach ablegen kannst. Deine Klarheit bei der Freundin hatte auch damit zu tun, dass dich nichts davon festhielt.
Darin liegt etwas Verführerisches. Wo du nicht beteiligt bist, wirkst du gelassen, kundig, beinahe weise. Du könntest dich dort einrichten: als jemand, der anderen weiterhilft und die eigenen Fragen auf später verschiebt, ohne dass es jemandem auffällt, dir selbst am wenigsten.
Die ungeschickten Sätze, die du in deiner eigenen Sache schließlich findest, gehören dagegen zu einem Gespräch, das niemand an deiner Stelle führen kann. Sie stocken und treffen nicht ganz. Niemand würde sie so klug nennen wie deinen Rat.
Dafür bekommst du auf sie eine Antwort, die dich meint.