11. November
In jeder Brust wohnt ein unparteiischer Zuschauer; recht handelt, wer so tut, dass dieser Zeuge im Innern es billigt.
Theorie der ethischen Gefühle (frei übertragen)
Hörmodus
In jeder Brust wohnt ein unparteiischer Zuschauer; recht handelt, wer so tut, dass dieser Zeuge im Innern es billigt.
Manchmal hilft es, eine eigene Handlung so zu erzählen, als hätte sie jemand anderes begangen. Jemand sagt kurzfristig eine Verabredung ab und nennt einen Grund, der nur halb stimmt. In dieser Fassung fehlt alles, was du sonst gleich dazusagen würdest: die lange Woche, die gute Absicht, das schlechte Gewissen danach. Das Urteil fällt schneller.
Die nackte Fassung ist deshalb aber nicht ehrlicher. Die lange Woche gab es wirklich, und ein Fremder, der davon wüsste, würde sie vermutlich mitbedenken. Unparteiisch zu sein hieße dann nicht, deine Umstände zu streichen. Du gibst ihnen genau das Gewicht, das du ihnen bei jemand anderem gäbest, nicht mehr und nicht weniger.
Das ist schwerer, als es klingt, und zwar in beide Richtungen. Vielleicht findest du für dich mühelos Entschuldigungen. Vielleicht verzeihst du dir aber auch nichts, was du einem Freund sofort nachsehen würdest. Von dem Platz, an dem ein gerechter Zuschauer säße, ist das eine so weit entfernt wie das andere.
Erzählst du die Geschichte ein zweites Mal, mit der Woche, aber ohne die halbe Ausrede, klingt sie fast nach jemandem, den du kennst. Ihm würdest du wohl raten, morgen anzurufen und den Rest nachzureichen.