7. November
Nicht aus Worten wächst die Tugend, sondern aus Übung und Tat — wie keine Kunst je durch bloßes Zuhören erlernt wurde.
Vorlesungen, Über die Übung (frei übertragen)
Hörmodus
Nicht aus Worten wächst die Tugend, sondern aus Übung und Tat — wie keine Kunst je durch bloßes Zuhören erlernt wurde.
Wie du gern auf Kritik reagieren würdest, kannst du vermutlich genau beschreiben: erst zuhören, dann nachfragen und dich frühestens danach verteidigen. Die Beschreibung stimmt. Trotzdem hörst du dich im entscheidenden Moment schon den dritten Satz sagen, bevor der erste beim anderen angekommen ist.
Das Wissen war nicht falsch, es kam nur zu spät. Am Abend, wenn das Gespräch vorbei ist, meldet es sich sehr klar. Gerade diese Klarheit kann täuschen. Im Nachhinein hast du die Szene so gut verstanden, dass es sich fast anfühlt, als hättest du sie schon richtig geführt.
Mit der Wiederholung verändert sich zunächst etwas Bescheideneres als das Verhalten selbst: Der Abstand wird kürzer. Erst merkst du es am Abend, irgendwann noch auf dem Heimweg, später mitten im eigenen Satz. Dort ist es am unangenehmsten. Du hörst dich reden, weißt Bescheid und bist schon halb hindurch.
Zum ersten Mal sind Wissen und Handeln gleichzeitig da, ohne übereinzustimmen. Du könntest den Satz abbrechen. Meistens sprichst du ihn zu Ende, nur etwas leiser.