6. November
Wer nichts für sich begehrt, dem wird in allem wohl; / ihm ist der Lauf der Welt von seinem Willen voll.
Der cherubinische Wandersmann (frei übertragen)
Hörmodus
Wer nichts für sich begehrt, dem wird in allem wohl; / ihm ist der Lauf der Welt von seinem Willen voll.
Es gibt eine Art, nichts zu wollen, die eigentlich Vorsicht ist. Du sagst, dir sei gleich, wie etwas ausgeht, und meinst damit: Dann kann es dich nicht enttäuschen. Der Wunsch ist nicht verschwunden. Er hat sich nur unkenntlich gemacht.
Seltener ist ein Wollen, das stark bleibt, aber nicht bei dir endet. Du willst, dass ein Problem gelöst wird, nicht unbedingt, dass du es löst. Von außen sehen beide Arten gleich aus. Du arbeitest, denkst nach, bringst Vorschläge ein.
Unterscheiden lassen sie sich oft erst, wenn jemand anderes die Lösung findet. Ging es dir um die Sache, dann ist jetzt erreicht, was du wolltest. Und trotzdem kann sich etwas in dir zusammenziehen, ein kleiner Verlust, der verrät, dass ein Teil des Wunsches doch dir selbst galt.
Diesen Anteil kannst du vorher kaum herausrechnen. Er meldet sich erst, wenn die Dinge anders laufen, als du dachtest, und manchmal bleibt er auch aus. Dann freust du dich über die Lösung und merkst erst am Abend, dass du dabei kein einziges Mal an dich gedacht hast.