5. November
Gedenke meiner, wenn ich fort bin, weit fort ins stille Land. Doch wenn das Erinnern dich traurig macht, dann vergiss mich lieber und lächle, als dass du dich grämst.
Gedenke meiner (frei übertragen)
Hörmodus
Gedenke meiner, wenn ich fort bin, weit fort ins stille Land. Doch wenn das Erinnern dich traurig macht, dann vergiss mich lieber und lächle, als dass du dich grämst.
Irgendwann vergeht ein Jahrestag, ohne dass du ihn bemerkst. Erst ein paar Tage später fällt dir das Datum ein, und statt Erleichterung spürst du etwas wie Schuld. Als hättest du eine Wache verlassen, die dir niemand aufgetragen hat.
Der Schmerz hat in der Erinnerung eine merkwürdige Doppelrolle. Er tut weh, und zugleich wirkt er wie ein Beweis: Solange es schmerzt, scheint die Verbindung nicht abgerissen. Lässt er nach, fragst du dich womöglich, ob mit ihm auch etwas von der Zuneigung verschwunden ist.
Doch der Schmerz und der Mensch, um den er sich legt, sind nicht dasselbe. Manches kehrt erst zurück, wenn die Trauer leiser wird: eine Redewendung, die Art, beim Lachen die Hand vor den Mund zu halten, eine Ungeduld, die dich früher geärgert hat. Solche Einzelheiten vertragen sich schlecht mit Feierlichkeit. Sie kommen beiläufig, beim Abwasch oder auf dem Weg zur Arbeit.
Ob das noch Gedenken ist oder schon ein Stück Vergessen, lässt sich nicht sauber trennen. Du ertappst dich dabei, wie du über diese Ungeduld schmunzelst, an einem Nachmittag ohne jeden Anlass. Früher hättest du dafür ein Datum gebraucht.