26. Oktober
Wer über das Herr ist, was du begehrst oder fürchtest, der ist dein Herr. Willst du frei sein? Dann begehre und fürchte nichts, was bei anderen liegt — sonst musst du dienen.
Handbüchlein der Moral, 14
Die kahle Stelle
Wer über das Herr ist, was du begehrst oder fürchtest, der ist dein Herr. Willst du frei sein? Dann begehre und fürchte nichts, was bei anderen liegt — sonst musst du dienen.
Ein magerer Wolf begegnete einem kräftigen, wohlgenährten Hund. Er bewunderte dessen Aussehen. So könne auch er leben, sagte der Hund. Er müsse nur mitkommen. Seine Arbeit wäre leicht: Fremde und Bettler vertreiben, den Hausleuten schmeicheln, dem Herrn gefallen. Dafür gebe es Knochen von Hühnern und Tauben, Reste aller Art, dazu Streicheleinheiten.
Der Wolf ging mit. Schon die Vorstellung dieser Mahlzeiten machte ihn beinahe weinen.
Unterwegs bemerkte er eine kahle Stelle am Hals des Hundes. Was das sei? Nichts, sagte der Hund. Vielleicht komme es vom Halsband, an dem man ihn festbinde.
Ob er denn nicht laufen könne, wohin er wolle?
Nicht immer. Aber was mache das schon?
Der Wolf wollte nun keine der versprochenen Mahlzeiten mehr. Er lief davon.