19. Oktober
Wie man sich bei Braten und Speisen sagen kann: Dies ist der Leichnam eines Fisches, dies der eines Vogels; der Falerner ist Traubensaft, die Purpurtoga Schafwolle, gefärbt mit dem Blut einer Schnecke — solche Vorstellungen treffen die Dinge selbst und gehen mitten durch sie hindurch: Man sieht, was sie sind.
Selbstbetrachtungen VI,13
Hörmodus
Wie man sich bei Braten und Speisen sagen kann: Dies ist der Leichnam eines Fisches, dies der eines Vogels; der Falerner ist Traubensaft, die Purpurtoga Schafwolle, gefärbt mit dem Blut einer Schnecke — solche Vorstellungen treffen die Dinge selbst und gehen mitten durch sie hindurch: Man sieht, was sie sind.
Vor einem schwierigen Gespräch sitzt du in einem Flur und wartest. Die Tür ist hoch, auf dem Schild steht ein Titel, und von drinnen hörst du gedämpfte Stimmen. Alles scheint darauf eingerichtet, dass du dich klein fühlst.
Du kannst dir den Flur noch einmal ansehen: Linoleum, ein Stuhl mit abgewetzter Lehne, eine Holztür. Dahinter sitzt ein Mensch, der vermutlich auch auf die Uhr schaut und überlegt, wann er heute zu Mittag isst. Durch diese Beschreibung wird das Gespräch nicht leichter. Was darin entschieden wird, bleibt für dich wichtig.
Wichtigkeit und Einschüchterung sind aber zweierlei. Das eine gehört zur Sache, das andere zum Raum, zum Schild und zu der Art, wie du hier warten musst. Wenn du beides auseinanderhältst, bleibt dir mehr Aufmerksamkeit für das, was du sagen willst.
Die Tür geht auf. Sie ist immer noch hoch.