17. Oktober
Solange ein Gefühl dunkel in dir wirkt, erleidest du es; sobald du es aber klar und deutlich durchschaust, ist es kein blosses Leiden mehr.
Ethik (frei übertragen)
Hörmodus
Solange ein Gefühl dunkel in dir wirkt, erleidest du es; sobald du es aber klar und deutlich durchschaust, ist es kein blosses Leiden mehr.
Jemand zeigt dir eine gelungene Arbeit, und du antwortest kühler, als du wolltest. Erst später findest du ein Wort für die Verstimmung: Neid. Das Wort ist unangenehm, aber es macht die Sache genauer. An der Arbeit selbst hattest du kaum etwas auszusetzen.
Damit ist das Gefühl nicht fort. Du kannst seinen Anlass verstehen und noch immer wünschen, du hättest selbst etwas Ähnliches geschafft. Doch dein Gegenüber muss nun nicht mehr stellvertretend für diesen Wunsch herhalten.
Vielleicht schaust du die Arbeit noch einmal an – und siehst neben dem Vergleich auch eine Einzelheit, die dich wirklich interessiert. Beides kann gleichzeitig da sein: deine Missgunst und deine Bewunderung. Du hast die eine erkannt. Doch muss dies die andere nicht verdächtig machen.