15. Oktober
Der Tag, den du als letzten fürchtest, ist der Geburtstag der Ewigkeit.
Briefe an Lucilius, 102. Brief
Hörmodus
Der Tag, den du als letzten fürchtest, ist der Geburtstag der Ewigkeit.
Ein letztes gemeinsames Frühstück kann ein ganz gewöhnliches gewesen sein. Du hast nach dem Brot gegriffen, etwas Halbgehörtes noch einmal erfragt, später den Tisch abgeräumt. Niemand wusste, dass diese Wiederholung keine nächste haben würde.
Wenn du daran zurückdenkst, möchtest du vielleicht mehr erinnern: den genauen Wortlaut, einen Blick, das Licht im Zimmer. Der Augenblick bekommt nachträglich eine Aufgabe, auf die er nicht vorbereitet war. Er soll für die ganze Beziehung sprechen.
Dabei gehörte seine Gewöhnlichkeit gerade zu ihrer Vertrautheit. Du musstest nicht jede Geste festhalten, weil du mit weiteren Morgen gerechnet hast. Die fehlenden Einzelheiten sind keine Lücken deiner Zuneigung. Du warst dort, am selben Tisch, ohne die Begegnung schon aus der Entfernung ihres Endes zu betrachten.