8. Oktober
„Einst träumte Dschuang Dsi, er sei ein Schmetterling, der sorglos umherflog und nichts von Dschuang Dsi wusste. Plötzlich erwachte er und war wieder er selbst. Nun weiß er nicht: Träumte der Mensch, ein Schmetterling zu sein — oder träumt jetzt ein Schmetterling, ein Mensch zu sein?“
Zhuangzi, Der Schmetterlingstraum (frei übertragen)
Hörmodus
„Einst träumte Dschuang Dsi, er sei ein Schmetterling, der sorglos umherflog und nichts von Dschuang Dsi wusste. Plötzlich erwachte er und war wieder er selbst. Nun weiß er nicht: Träumte der Mensch, ein Schmetterling zu sein — oder träumt jetzt ein Schmetterling, ein Mensch zu sein?“
Nach einigen Tagen an einem fremden Ort fällt dir manchmal auf, dass bestimmte Dinge gar nicht mehr vorgekommen sind. Du hast sie nicht verdrängt, sie haben sich einfach nicht gemeldet: die offene Rechnung, der Streit vom Frühjahr, die Frage, wie du auf andere wirkst. Trotzdem warst du jemand. Du hast gegessen, gelacht und dich verlaufen.
Zu Hause liegt die Post hinter der Tür, und mit dem Schlüssel im Schloss kehrt vieles auf einmal zurück. Es fühlt sich an, als wärst du wieder ganz bei dir. Doch woran misst du das? Der Mensch, der hier wohnt, hat mehr Belege: Verträge, Gewohnheiten, Leute, die ihn seit Jahren kennen. Der andere hatte nur ein paar Tage und brauchte keine Belege.
Dass dir der eine wirklicher vorkommt, liegt vielleicht vor allem daran, dass er sich an den anderen erinnern kann, während es umgekehrt nicht geht. Wer mehr von sich weiß, hält sich leicht für das Original.
Dem anderen hat in diesen Tagen nichts gefehlt. Auch nicht der, der jetzt die Post aufhebt.