5. Oktober
Der Unwille ist uns nicht gegeben, den Menschen zu hassen, sondern dem Unrecht zu wehren. Recht gerichtet ist er ein Schutz; falsch gerichtet wird er zum Gift.
Fünfzehn Predigten (frei übertragen)
Hörmodus
Der Unwille ist uns nicht gegeben, den Menschen zu hassen, sondern dem Unrecht zu wehren. Recht gerichtet ist er ein Schutz; falsch gerichtet wird er zum Gift.
Berechtigten Ärger gibst du nur schwer wieder her. Jemand hat dich übergangen oder einen anderen schlecht behandelt, und du hast es ausgesprochen. Du lagst richtig. Die Empörung hat dir geholfen, nicht zu schweigen.
Dann wird die Sache bereinigt. Eine Entschuldigung kommt, die Entscheidung wird zurückgenommen. Statt Erleichterung bemerkst du vielleicht etwas Merkwürdiges: eine leise Enttäuschung. Die Entschuldigung kommt dir zu glatt vor, der Zeitpunkt zu spät. Du suchst nach dem Rest, der noch nicht in Ordnung ist.
Irgendwo hat sich dein Ärger verschoben, ohne dass du es gemerkt hast. Solange er dem Unrecht galt, wollte er, dass es aufhört. Jetzt braucht er die andere Person so, wie sie war, als sie es beging. Sie soll sich nicht ändern, damit du nicht weniger recht hast.
Schwer zu erkennen ist das, weil sich beides gleich anfühlt: wach, entschieden, im Recht. Der Unterschied zeigt sich womöglich erst, wenn dieser Mensch etwas richtig macht und du nicht weißt, ob du dich darüber freuen willst.