24. September
Ein Gefühl, das wir klar und deutlich begreifen, hört auf, ein bloßes Erleiden zu sein. Sieh die Dinge unter dem Blickwinkel der Ewigkeit.
Ethik (frei übertragen)
Hörmodus
Ein Gefühl, das wir klar und deutlich begreifen, hört auf, ein bloßes Erleiden zu sein. Sieh die Dinge unter dem Blickwinkel der Ewigkeit.
Nachts kann ein einziger Satz, den du tagsüber gesagt hast, das ganze Zimmer ausfüllen. Du hörst ihn immer wieder, jedes Mal etwas ungeschickter. Am Morgen ist er wieder ein Satz unter vielen, und du wunderst dich, wie viel Macht er über dich hatte.
Es liegt nahe, die Ansicht vom Morgen für die richtige zu halten. Aber Abstand allein macht nichts klarer. Er lässt die Dinge nur kleiner erscheinen, und auch das ist eine Art, nicht hinzusehen. Wenn du eine Kränkung mit dem Gedanken abtust, dass sie in hundert Jahren niemanden mehr kümmert, hast du sie damit nicht verstanden. Du hast sie nur leiser gestellt.
Genauer wird es erst, wenn du fragst, woher der Satz sein Gewicht hatte. Vielleicht lag es gar nicht an seinem Wortlaut, sondern an der Person, der er galt, und daran, wie viel dir an ihrem Urteil liegt. Das ist keine nächtliche Übertreibung. Es gilt auch bei Tageslicht.
Am Abend triffst du sie wieder, und der Satz fällt dir ein. Er ist nicht größer als in der Nacht und nicht kleiner als am Morgen. Jetzt weißt du, worauf er sich bezog.