20. September
Nicht die Wahrheit, in deren Besitz irgendein Mensch ist oder zu sein vermeint, sondern die aufrichtige Mühe, die er angewandt hat, hinter die Wahrheit zu kommen, macht den Wert des Menschen.
Eine Duplik
Hörmodus
Nicht die Wahrheit, in deren Besitz irgendein Mensch ist oder zu sein vermeint, sondern die aufrichtige Mühe, die er angewandt hat, hinter die Wahrheit zu kommen, macht den Wert des Menschen.
Manchmal behältst du recht, ohne es verdient zu haben. Du hast etwas behauptet, weil es zu deiner Stimmung passte oder weil dir die Gegenseite unsympathisch war, und später stellt sich heraus: Es stimmte. Die Genugtuung ist kurz und merkwürdig dünn. Du weißt, dass du genauso gut hättest danebenliegen können.
Umgekehrt gibt es Irrtümer, für die du dich kaum schämen musst. Du hast nachgefragt, nachgelesen, einen Einwand ernst genommen und bist trotzdem falsch gelandet. Von außen zählt meist nur das Ergebnis. Wer richtig lag, wird erinnert, wer sorgfältig falsch lag, gilt als widerlegt. Die Mühe selbst hinterlässt kaum Belege.
Schwieriger ist, dass du auch deiner eigenen Mühe nicht ganz trauen kannst. Langes Nachdenken kann ein Umweg zu genau der Antwort sein, die du von Anfang an haben wolltest. Ob du wirklich gesucht hast, zeigt sich am ehesten dort, wo dir eine Antwort nicht gefällt und du sie trotzdem nicht gleich beiseiteschiebst.
Die Frage, wer damals recht hatte, ist längst entschieden. Wie du zu deiner Meinung gekommen bist, weiß außer dir niemand.