16. September
Selbst die heftigsten Leidenschaften gönnen uns zuweilen Ruhe. Nur die Eitelkeit lässt uns niemals in Frieden.
Maximen und Gedanken (frei übertragen)
Hörmodus
Selbst die heftigsten Leidenschaften gönnen uns zuweilen Ruhe. Nur die Eitelkeit lässt uns niemals in Frieden.
Wenn du dich über etwas wirklich ärgerst, vergisst du für eine Weile, wie du dabei aussiehst. Begeisterung und Verliebtheit haben dieselbe Eigenschaft: Sie richten dich ganz auf etwas anderes. Irgendwann sind sie erschöpft, und mit ihnen legt sich die Unruhe.
Anders ist es mit der Frage, wie du wirkst. Sie hat keinen Gegenstand, den du erreichen oder verlieren könntest, nur ein Publikum, das nie endgültig urteilt. Ein gelungener Abend genügt ihr nicht. Auf dem Heimweg spielst du einzelne Sätze noch einmal durch und prüfst, ob einer zu laut war. Selbst wenn niemand dabei ist, sitzt dieses Publikum mit im Zimmer.
Lästig wird sie vor allem dadurch, dass sie sich auch in die Ruhe einschleicht. Du nimmst dir einen freien Tag und merkst, dass du ihn in Gedanken schon jemandem erzählst. Du verzichtest auf Anerkennung und bist ein wenig stolz auf diesen Verzicht.
Herbeiführen lässt sich der Moment, in dem sie schweigt, wohl kaum. Manchmal lachst du über etwas so sehr, dass du vergisst, wie dein Lachen klingt. Erst hinterher fällt dir auf, dass du eine Weile niemand Bestimmtes warst.