15. September
Die Notwendigkeit ist ein Übel — doch es besteht keine Notwendigkeit, in ihr zu leben. Die Wege ins Freie stehen überall offen.
Hauptlehrsätze (frei übertragen)
Hörmodus
Die Notwendigkeit ist ein Übel — doch es besteht keine Notwendigkeit, in ihr zu leben. Die Wege ins Freie stehen überall offen.
„Ich muss noch“ ist ein bequemer Satz. Mit ihm kannst du ein Gespräch beenden, ohne jemanden zu kränken, und musst dich nicht fragen, ob du eigentlich willst. Manches daran stimmt ja: Die Miete wird fällig, jemand wartet auf dich, eine Frist läuft ab.
Doch das Wort breitet sich gern aus. Es legt sich über Dinge, die bloß Gewohnheit sind, über Einladungen, die du nie ernsthaft erwogen hast, über einen Ton, den du dir irgendwann angewöhnt hast. Mit der Zeit klingt dein ganzer Tag wie eine Liste fremder Anforderungen, obwohl du einige Zeilen davon selbst geschrieben hast.
Unbequem wird es, sobald du beides auseinanderhältst. Was wirklich sein muss, bleibt hart. Alles andere fällt plötzlich dir zu, auch das, was du weiter tust, obwohl du es lassen könntest. Ein Ausweg ist nicht nur eine Erleichterung. Er nimmt dir auch eine Entschuldigung.
Vielleicht bleibst du trotzdem bei vielem. Am nächsten Morgen sieht dein Tag kaum anders aus als gestern. Nur gehört er dir jetzt ein Stück mehr, auch dort, wo er dir nicht gefällt.