5. September
So ist die Zeit: Sie nimmt uns Jugend, Freude und alles, was wir haben, und zahlt mit nichts als Staub und Grab. Doch aus dem dunklen Grab und Staub, so glaube ich, weckt mich der Herr wieder auf.
Grabschrift (frei übertragen)
Hörmodus
So ist die Zeit: Sie nimmt uns Jugend, Freude und alles, was wir haben, und zahlt mit nichts als Staub und Grab. Doch aus dem dunklen Grab und Staub, so glaube ich, weckt mich der Herr wieder auf.
Wenn dir etwas genommen wurde, meldet sich bald der Wunsch, wenigstens etwas dafür bekommen zu haben: eine Einsicht, eine gewisse Reife, eine Geschichte, die du später erzählen kannst. Du fragst dich, was du daraus gelernt hast, als müsste der Verlust nachträglich seine Rechnung begleichen.
Manchmal gelingt das sogar. Oft aber bleibt die Rechnung schief. Eine Freundschaft, die auseinandergegangen ist, wird durch eine Erkenntnis über Freundschaft nicht aufgewogen. Und wer dir den Ausgleich zu schnell vorrechnet, meint es meist gut und nimmt dir doch etwas: die Erlaubnis, den Verlust einfach als Verlust zu sehen.
Hoffnung ist etwas anderes als ein solcher Ausgleich. Sie kann neben dem Satz stehen, dass nichts zurückgezahlt wurde, ohne ihn zu widerrufen. Vielleicht ist sie dort am glaubwürdigsten, wo sie den Schaden nicht kleiner macht, um selbst überzeugender zu wirken. Dann musst du dich nicht zwischen Trauer und Erwartung entscheiden.
Wenn dich jemand fragt, wofür das alles gut gewesen sei, darfst du zögern.