3. September
Der sicherste Weg zur Klarheit ist eine bescheidene Meinung von sich selbst. Erkenne dich gering, und du urteilst wahr.
Nachfolge Christi (frei übertragen)
Hörmodus
Der sicherste Weg zur Klarheit ist eine bescheidene Meinung von sich selbst. Erkenne dich gering, und du urteilst wahr.
Wenn du eine Rückmeldung zu deiner Arbeit liest, liest du oft zwei Texte zugleich. Der eine handelt von der Sache: Ein Absatz ist zu lang, eine Zahl stimmt nicht. Der andere handelt von dir. Er ist meist lauter, obwohl niemand ihn geschrieben hat.
Es liegt nahe, Bescheidenheit für das Gegenmittel zu halten. Doch wenn du dich gering schätzt, liest du den zweiten Text nur anders, nicht weniger. Jede Anmerkung bestätigt dann, was du ohnehin befürchtet hast, und ein Lob klingt wie ein Versehen. Auch so bleibt die Arbeit selbst seltsam unscharf. Du bist weiter mit dir beschäftigt, nur in Moll.
Vielleicht meint das Geringe gar kein Maß, sondern einen Abstand. Ein Urteil wird nicht genauer, weil du dich kleiner machst. Genauer wird es, wenn du für eine Weile weniger darin vorkommst. Absichtlich gelingt das selten. Eher geschieht es, wenn dich eine Frage in der Sache so beschäftigt, dass du vergisst nachzusehen, was sie über dich sagt.
Dann stimmt die Zahl eben nicht. Du korrigierst sie, und der Absatz ist tatsächlich zu lang.