26. August
Am Morgen, wenn es dir schwerfällt aufzustehen, halte dir bereit: Ich stehe auf zum Werk eines Menschen. Warum sollte ich verdrießlich sein, wenn ich zu dem gehe, wozu ich da bin? Oder bin ich dazu geschaffen, mich unter der Decke zu wärmen? — „Aber das ist angenehmer." — Zum Angenehmen also bist du geboren?
Selbstbetrachtungen V,1
Hörmodus
Am Morgen, wenn es dir schwerfällt aufzustehen, halte dir bereit: Ich stehe auf zum Werk eines Menschen. Warum sollte ich verdrießlich sein, wenn ich zu dem gehe, wozu ich da bin? Oder bin ich dazu geschaffen, mich unter der Decke zu wärmen? — „Aber das ist angenehmer." — Zum Angenehmen also bist du geboren?
Unter einer warmen Decke ist die Welt zunächst eine Sammlung von Anforderungen. Draußen warten Schuhe, Termine, Geschirr. Vom Bett aus haben diese Dinge wenig für sich.
Dann kann schon die erste kleine Arbeit anders aussehen, sobald du sie tust. Beim Brotschneiden riechst du die Kruste. Das klemmende Fenster gibt endlich nach, und kühle Luft kommt herein. Was eben noch als Pflicht vor dir lag, hat plötzlich Geräusche, Widerstände und einen Geschmack. Dein Tag wird klarer.
Das soll kein Beweis dafür dafür sein, dass du immer mehr leisten solltest, denn auch Erschöpfung ist wirklich. Aber an einem gewöhnlichen, bloß widerwilligen Morgen kannst du entdecken, dass du über den Tag urteilst, bevor du ihm begegnet bist. Die Vorstellung vom Aufstehen ist mitunter trüber als die Begenung mit der Küche dann wird.