25. August
Oft täte niemand das Gute, dächte er nicht an das Ansehen, das ihm folgt. Unsere Tugenden sind häufig nur verkleidete Selbstsucht — die Eitelkeit geht ihnen leise nach.
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Hörmodus
Oft täte niemand das Gute, dächte er nicht an das Ansehen, das ihm folgt. Unsere Tugenden sind häufig nur verkleidete Selbstsucht — die Eitelkeit geht ihnen leise nach.
Du korrigierst still einen Fehler in der Arbeit eines Kollegen, bevor jemand anderes ihn bemerkt, und erwähnst es nicht. Das fühlt sich gut an, gerade weil niemand davon weiß. Später ertappst du dich dabei, wie du dir eine kleine Szene ausmalst: Er erfährt es doch noch irgendwann und stutzt.
Eitelkeit braucht also nicht unbedingt Zuschauer. Ihr genügt ein einziger, und der bist du. Auch Bescheidenheit lässt sich auf diese Weise genießen, vielleicht sogar besonders gründlich, weil du ihr so schwer etwas vorwerfen kannst.
Für den Bericht ändert das nichts. Der Fehler ist verschwunden, die Zahlen stimmen, und dein Kollege hat einen ruhigeren Vormittag. Dein Motiv lässt sich an seinem Vormittag nicht ablesen. Es betrifft vor allem dich.
Auch der Verdacht gegen dich selbst hat etwas Schmeichelhaftes. Mit ihm bist du derjenige, der sich nichts vormacht und die eigenen Absichten durchschaut. Irgendwo hinter diesem Blick steht wieder jemand und sieht zufrieden zu, wie genau du dich durchschaust.