21. August
Tu Gutes im Stillen und frage nicht nach Dank; die schönste Frömmigkeit ist, den Menschen nützlich zu sein.
Almanach des armen Richard (frei übertragen)
Hörmodus
Tu Gutes im Stillen und frage nicht nach Dank; die schönste Frömmigkeit ist, den Menschen nützlich zu sein.
Ein Dank zeigt dir nicht nur, dass jemand dich bemerkt hat. Er zeigt dir auch, dass deine Hilfe angekommen ist. Fällt er weg, fehlt dir deshalb mehr als Anerkennung: Du erfährst nicht, ob du überhaupt geholfen hast.
Wer im Stillen gibt, gibt also in gewisser Weise blind. Du hast eine Vorstellung davon, was der andere braucht, und handelst danach. Vielleicht stimmt sie. Vielleicht hast du aber etwas erledigt, das er lieber selbst getan hätte, oder einen Rat hinterlassen, den er längst kannte. Ohne Antwort bleibt deine Annahme unwidersprochen, und gerade das macht sie bequem.
Nützlich zu sein ist darum schwieriger, als es gut zu meinen. Eine gute Absicht kannst du ganz allein haben. Ob du jemandem nützt, entscheidet sich bei ihm.
Verlangen musst du den Dank deshalb nicht. Du kannst ihn aber von der Auskunft unterscheiden, die manchmal in ihm steckt, und nach dieser Auskunft fragen. Die Frage, ob es gepasst hat, klingt weniger großzügig als Schweigen. Manchmal lautet die Antwort: nicht ganz.