19. August

Geduld ist die Kunst des Hoffens. Und die grossen Gedanken kommen nicht aus dem klugen Kopf, sondern aus dem Herzen — aus dem, was ein Mensch zu tragen gelernt hat.

Luc de Vauvenargues Reflexionen und Maximen (frei übertragen)

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Geduld ist die Kunst des Hoffens. Und die grossen Gedanken kommen nicht aus dem klugen Kopf, sondern aus dem Herzen — aus dem, was ein Mensch zu tragen gelernt hat.

Luc de Vauvenargues

Manchmal erlebt jemand in deiner Nähe etwas, das du selbst schon hinter dir hast. Du erkennst die Phase wieder: das Kreisen um dieselbe Frage, die Gereiztheit gegenüber gut gemeinten Ratschlägen. Und du hast einen Satz parat, für den du damals lange gebraucht hast.

Du sprichst ihn aus, aber er kommt nicht an. Er klingt wie einer jener Ratschläge, die dich selbst gereizt haben. Falsch ist er deshalb nicht. Ihm fehlt nur die Zeit, in der er für dich wahr geworden ist: die Abende, an denen du ihn noch nicht glauben konntest.

Eine solche Einsicht lässt sich offenbar nicht weitergeben wie eine Adresse. Sie hängt an dem Weg, auf dem sie entstanden ist, und diesen Weg würdest du niemandem wünschen. Trotzdem möchtest du ihn abkürzen. Das tust du für den anderen, vielleicht aber auch, damit dein eigener Umweg im Nachhinein zu etwas nütze war.

Also bleibst du in der Nähe und sagst weniger. Monate später hörst du deinen Satz vielleicht aus dem Mund des anderen, in seinen eigenen Worten. Er weiß nicht mehr, dass du ihn schon einmal gesagt hast.

Anna Atkins, Microcladia glandulosa, Cyanotypie
Microcladia glandulosa · Anna Atkins, Cyanotypie, 1843–53 · aus Photographs of British Algae Mehr über Anna Atkins ›
Anna Atkins, Microcladia glandulosa, Cyanotypie

Microcladia glandulosa · Anna Atkins, Cyanotypie, 1843–53 · aus Photographs of British Algae