17. August
„Unser großes, ruhmvolles Meisterwerk ist es, im rechten Augenblick zu leben. Alles andere — herrschen, Reichtümer häufen, bauen — ist nur Beiwerk und Zierrat.“
Essais III, 13 (frei übertragen)
Hörmodus
„Unser großes, ruhmvolles Meisterwerk ist es, im rechten Augenblick zu leben. Alles andere — herrschen, Reichtümer häufen, bauen — ist nur Beiwerk und Zierrat.“
Was du gebaut, verdient oder erreicht hast, lässt sich aufzählen. Es hat Umrisse, du kannst darauf zeigen, und es bleibt bestehen, auch wenn du gerade nicht hinsiehst. Dass du an einem bestimmten Abend im passenden Moment geschwiegen hast oder rechtzeitig gegangen bist, hinterlässt dagegen nichts. Was zur rechten Zeit geschieht, geht in dem auf, was es möglich macht.
Deshalb bemerkst du es meist nur von seiner Rückseite her. Der verpasste Augenblick bleibt im Gedächtnis: der Satz, der eine Woche zu spät kam, der Besuch, den du auf später verschoben hast. Der getroffene fällt nicht auf, weil nichts fehlt.
Daraus ließe sich der Vorsatz machen, aufmerksamer zu werden und die richtigen Momente bewusst zu ergreifen. Doch dann wird aus ihnen schnell wieder etwas, das du sammelst und vorzeigen möchtest, eine weitere Leistung. Und wer einen Augenblick ständig auf seine Richtigkeit prüft, steht schon ein wenig neben ihm.
Vielleicht erkennst du ihn eher an einer Nebensache: Du hast hinterher nichts zu erzählen, und es kommt dir trotzdem nicht vor, als hättest du etwas versäumt.