14. August
Wische die Tränen ab, sagt die Philosophie; die Wolke der Leidenschaften hat dir den Blick verdunkelt. Erinnere dich, wer du bist — dann kehrt dem Auge sein Licht zurück.
Trost der Philosophie (frei übertragen)
Hörmodus
Wische die Tränen ab, sagt die Philosophie; die Wolke der Leidenschaften hat dir den Blick verdunkelt. Erinnere dich, wer du bist — dann kehrt dem Auge sein Licht zurück.
Nach einem Fehler, der dir peinlich ist, kann sich dein ganzes Gedächtnis um ihn herum ordnen. Nachts spielst du die Szene noch einmal durch und findest bessere Sätze. Dir fallen frühere Gelegenheiten ein, bei denen du ähnlich danebenlagst. Alles scheint dasselbe zu beweisen.
Am nächsten Tag fragt dich jemand nach dem Weg, und du erklärst ihn genau, samt der Abkürzung hinter der Bäckerei. Für ein paar Sätze bist du jemand, der sich auskennt. Der Fehler ist dadurch nicht kleiner geworden. Er steht nur plötzlich wieder neben anderem.
Dieser Unterschied wird leicht übersehen. Dich an dich selbst zu erinnern, heißt nicht, ein schmeichelhafteres Bild hervorzuholen. Damit würdest du nur ein Urteil gegen ein anderes tauschen. Eher heißt es, wieder mehr von dir vor Augen zu haben, als ein einzelner Abend fassen kann: Kenntnisse, Gewohnheiten, Menschen, denen du etwas bedeutest. Und ja, auch die anderen Fehler.
Erzwingen lässt sich das schlecht. Wenn du dir selbst gut zuredest, merkst du meist, dass du gerade verhandelst. Öfter kommt es über eine Frage, die mit der ganzen Sache nichts zu tun hat.