10. August
Mach dich unabhängig von dem, was du nicht in der Hand hast. Wer wenig braucht, ist reich; wer alles begehrt, bleibt arm, und wäre die Welt sein.
Handorakel und Kunst der Weltklugheit (frei übertragen)
Hörmodus
Mach dich unabhängig von dem, was du nicht in der Hand hast. Wer wenig braucht, ist reich; wer alles begehrt, bleibt arm, und wäre die Welt sein.
Es gibt eine Bescheidenheit, die eigentlich Vorsicht ist. Du sagst dir, eine Zusage sei dir nicht wichtig, bevor sie überhaupt kommen kann. Du bewirbst dich halbherzig oder lädst jemanden so beiläufig ein, als wäre es dir gleich, ob er erscheint. So bleibt die Enttäuschung klein, weil du vorher schon wenig gewollt hast.
Von außen sieht das nach Unabhängigkeit aus. Doch der Wunsch ist nicht verschwunden. Du sprichst ihn nur nicht mehr aus. Gerade deshalb bestimmt er weiter, wie du dich verhältst: zurückhaltend und mit einer Hintertür, die du dir selbst offenhältst.
Eine andere Art, wenig zu brauchen, ist schwerer. Du kannst etwas deutlich wollen und trotzdem wissen, dass du ohne es nicht ärmer wirst. Dann darfst du auch zeigen, dass es dir etwas bedeutet. Ein Nein trifft dich, vielleicht sogar spürbar. Es nimmt dir aber nichts, wovon du gelebt hättest.
Von innen sind die beiden Haltungen schwer auseinanderzuhalten. Manchmal merkst du den Unterschied erst nach einer Absage: Bereust du dann, dass du gefragt hast?