6. August
Niemals eine Sache für wahr annehmen, die ich nicht klar und deutlich als solche erkenne — und in mein Urteil nur aufnehmen, woran zu zweifeln ich keinen Grund mehr habe.
Discours de la méthode (frei übertragen)
Hörmodus
Niemals eine Sache für wahr annehmen, die ich nicht klar und deutlich als solche erkenne — und in mein Urteil nur aufnehmen, woran zu zweifeln ich keinen Grund mehr habe.
Du hast den Herd ausgeschaltet. Du hast den Knopf auf null gedreht, es gesehen, sogar noch einmal hingefasst. Auf der Treppe kommt trotzdem die Frage, ob du dir sicher bist. Die Erinnerung ist klar, aber sie überzeugt dich nicht mehr.
Zweifel hört offenbar nicht von selbst auf, wenn ihm die Gründe ausgehen. Er kann weiterlaufen wie ein Motor, der vergessen hat, wozu er angelassen wurde. Dann prüfst du nicht mehr die Sache, sondern dich.
Umgekehrt gibt es Überzeugungen, die nie an einem Zweifel vorbeimussten. Sie waren schon da, bevor du angefangen hast, darüber nachzudenken: wie über Geld gesprochen wird, wem eher geglaubt wird, was als vernünftig gilt. Dir fällt kein Grund ein, sie zu prüfen, weil sie dir nie als etwas Prüfbares begegnet sind. Auch das fühlt sich von innen wie Gewissheit an.
Wenn du an etwas nicht zweifelst, kann das also zwei sehr verschiedene Gründe haben: Entweder ist die Sache geklärt, oder es wurde nie nach ihr gefragt. Am Gefühl allein lassen sie sich kaum unterscheiden.
Du gehst nicht zurück. Unterwegs fällt dir ein Satz ein, den du heute Mittag ohne jedes Zögern gesagt hast.
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