1. August
Führe mich, Zeus, und du, Schicksal, wohin ihr mich bestimmt habt: Ich folge ohne Zögern. Wollte ich nicht — ich müsste dennoch folgen, nur schlechter.
Gebet, überliefert in Epiktets Handbüchlein, 53
Hörmodus
Führe mich, Zeus, und du, Schicksal, wohin ihr mich bestimmt habt: Ich folge ohne Zögern. Wollte ich nicht — ich müsste dennoch folgen, nur schlechter.
Manches ist entschieden, bevor du gefragt wirst. Eine Abteilung wird umgebaut, eine Wohnung gekündigt, ein Termin verlegt, an dem viel hing. Du kannst dich darüber ärgern, und oft hast du guten Grund dazu. Gehen musst du trotzdem.
Der Ärger verändert dabei weniger die Lage als deinen Blick auf sie. Kommst du widerwillig an einen neuen Ort, wird er dir leicht zum Beweis dafür, dass es vorher besser war und andere dir das alles hätten ersparen können. Jede Unbequemlichkeit bestätigt diesen Verdacht. Was dort zufällig gelingt, zählt kaum, weil es nicht zur Beschwerde passt.
Schwierig ist nur, dass du vorher selten weißt, was wirklich feststeht. Manche Entscheidung lässt sich noch anfechten. Willigst du zu früh ein, gibst du vielleicht etwas auf, das zu verteidigen gewesen wäre. Auch Einverständnis kann eine Form von Bequemlichkeit sein.
Irgendwann merkst du, dass du schon eine Weile dort bist. Die Kollegin am Nachbartisch kennt deinen Namen, und du weißt, welches Fenster klemmt. Ob du dich dafür entschieden hast, hier zu sein, oder einfach geblieben bist, lässt sich an diesem Morgen nicht mehr genau sagen.