28. Juli
Die Zeit ist ein Strom der Ereignisse, ein reißender: Kaum ist etwas sichtbar geworden, ist es schon vorbeigetragen — und anderes wird herangetragen, und auch das wird fortgerissen.
Selbstbetrachtungen IV,43
Hörmodus
Die Zeit ist ein Strom der Ereignisse, ein reißender: Kaum ist etwas sichtbar geworden, ist es schon vorbeigetragen — und anderes wird herangetragen, und auch das wird fortgerissen.
Manches verstehst du erst, wenn es nichts mehr von dir verlangt. In einer Woche mit einem Umzug, einer Erkrankung in der Familie und einer Frist bei der Arbeit bleibt kaum Raum, über irgendetwas davon nachzudenken. Du erledigst das Nächste, und das Vorige ist verschwunden, bevor du sagen könntest, wie es dir damit ging.
Das kann sich wie ein Versäumnis anfühlen. Du hast vieles erlebt, aber kaum etwas davon wirklich bemerkt.
Zugleich nimmt dir die Eile etwas ab. Ein ungeschickter Satz oder eine Kränkung, über die du sonst tagelang gegrübelt hättest, wird vom Nächsten verdrängt, bevor sie sich festsetzen kann. Dieselbe Bewegung, die dir das Verweilen verwehrt, erspart dir auch manches Verweilen, das du nie gewollt hättest.
Welches von beidem gerade geschieht, kannst du in einer solchen Woche kaum unterscheiden. Erst später, an einem ruhigen Abend, taucht etwas wieder auf. Nicht unbedingt das Wichtigste. Manchmal nur ein Gesichtsausdruck im Treppenhaus, zwischen zwei Kartons, den du damals gar nicht bemerkt zu haben glaubtest.