27. Juli

Zu wissen, was man weiß, und zu wissen, was man nicht weiß — das ist Wissen.

Konfuzius Gespräche (frei übertragen)

Hörmodus

Zu wissen, was man weiß, und zu wissen, was man nicht weiß — das ist Wissen.

Konfuzius

Jemand fragt dich, wie ein Reißverschluss eigentlich funktioniert. Du benutzt ihn jeden Tag, und die Antwort scheint dir zunächst so nah wie die Jacke, die du gerade trägst. Nach zwei Sätzen merkst du, dass du nur beschreibst, was geschieht: Die Zähne greifen ineinander. Warum sie halten, könntest du nicht sagen.

Vertrautheit fühlt sich von innen fast genauso an wie Wissen. Beide sind ruhig, beide stellen keine Fragen. Erst wenn du etwas einem anderen erklären sollst, zeigt sich, welche von beiden du die ganze Zeit hattest.

Allerdings täuscht diese Probe auch in die andere Richtung. Die Stimme eines Menschen erkennst du am Telefon nach einem einzigen Wort, und trotzdem fände sich kaum ein Satz, der sie beschreibt. Hier versagt das Erklären, obwohl du dir sicher bist, und zwar zu Recht.

Die Grenze zwischen dem, was du weißt, und dem, was dir nur geläufig ist, liegt also nicht einfach dort, wo dir die Worte ausgehen.

Später gehst du hinaus und ziehst die Jacke zu, mit derselben Sicherheit wie immer.

Anna Atkins, Cystoseira ericoides, Cyanotypie
Cystoseira ericoides · Anna Atkins, Cyanotypie, 1843–53 · aus Photographs of British Algae Mehr über Anna Atkins ›
Anna Atkins, Cystoseira ericoides, Cyanotypie

Cystoseira ericoides · Anna Atkins, Cyanotypie, 1843–53 · aus Photographs of British Algae