21. Juli

Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah. Lerne nur das Glück ergreifen, denn das Glück ist immer da.

Johann Wolfgang von Goethe Erinnerung

Hörmodus

Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah. Lerne nur das Glück ergreifen, denn das Glück ist immer da.

Johann Wolfgang von Goethe

Was jederzeit möglich ist, hat keinen Termin. Den See zwanzig Minuten von deiner Wohnung entfernt kannst du an jedem warmen Abend besuchen, also verschiebst du ihn. Im Urlaub würdest du für ein ähnliches Ufer eine Stunde fahren, weil die Tage gezählt sind und der Ausflug sonst verfällt.

Die Ferne hat diesen Vorteil: Sie verlangt eine Entscheidung. Das Nahe verlangt nichts, und deshalb wählst du es so selten. Seine Verlässlichkeit nimmt ihm die Dringlichkeit.

Du kannst dir behelfen, indem du dir vorstellst, es wäre bald vorbei: der Umzug beschlossen, dieser Sommer der letzte. Das wirkt. Nur siehst du das Ufer dann schon als Abschied, und was du genießt, ist eher die Wehmut als der See.

Schwieriger ist es, ohne solchen Anlass hinzufahren. An einem gewöhnlichen Abend ist das Wasser einfach Wasser, etwas kühl, ein paar Leute sitzen am Steg. Nichts daran kündigt sich als besonders an, und niemand zählt die Tage.

Du könntest morgen wiederkommen. Vielleicht bleibst du deshalb heute etwas länger, vielleicht gerade deshalb nicht.

Anna Atkins, Sporochnus rhizodes, Cyanotypie
Sporochnus rhizodes · Anna Atkins, Cyanotypie, 1843–53 · aus Photographs of British Algae Mehr über Anna Atkins ›
Anna Atkins, Sporochnus rhizodes, Cyanotypie

Sporochnus rhizodes · Anna Atkins, Cyanotypie, 1843–53 · aus Photographs of British Algae