20. Juli
„Was also ist die Zeit? Wenn niemand mich fragt, weiß ich es; will ich es einem erklären, der mich fragt, weiß ich es nicht. Und doch: Das Vergangene ist nicht mehr, das Künftige noch nicht — nur die Gegenwart ist wirklich da.“
Bekenntnisse, XI (frei übertragen)
Hörmodus
„Was also ist die Zeit? Wenn niemand mich fragt, weiß ich es; will ich es einem erklären, der mich fragt, weiß ich es nicht. Und doch: Das Vergangene ist nicht mehr, das Künftige noch nicht — nur die Gegenwart ist wirklich da.“
Jemand fragt dich auf der Straße nach dem Weg zu einem Ort, an dem du schon hundertmal warst. Du setzt an und merkst, dass dir die Straßennamen fehlen. „Bei der Apotheke rechts, nein, vorher noch …“ Deine Hand zeigt in eine Richtung, die dein Satz gleich wieder korrigiert.
Dabei hast du dich auf diesem Weg nie verlaufen. Du kennst ihn, nur nicht in der Form, die eine Erklärung verlangt. Beim Gehen musst du immer nur die nächste Ecke wissen; der Rest ergibt sich, sobald du dort bist. Die Beschreibung dagegen soll den ganzen Weg auf einmal enthalten, das Vorher und Nachher in der richtigen Reihenfolge, gesehen von einem Standpunkt, an dem niemand je steht.
Das eine Wissen ist nicht ungenauer als das andere. Es ist nur an den Augenblick gebunden, in dem es gebraucht wird, und lässt sich schlecht vorausschicken.
Die Person bedankt sich und geht los, etwas zögernd. Später nimmst du den Weg selbst und achtest auf die Ecke vor der Apotheke. Du biegst ab, bevor du entschieden hast, warum.