14. Juli
Der Moschushirsch trägt den Duft im eigenen Leib und durchstreift den Wald, ihn zu suchen. Was du draußen jagst, wohnt längst in dir.
Lieder des Kabir (frei übertragen)
Hörmodus
Der Moschushirsch trägt den Duft im eigenen Leib und durchstreift den Wald, ihn zu suchen. Was du draußen jagst, wohnt längst in dir.
Manchmal sagt dir jemand, bei dir könne er gut zur Ruhe kommen. Das wundert dich. Gerade an diesem Abend warst du unruhig, hast an eine offene Rechnung gedacht und dich gefragt, ob du überhaupt richtig zuhörst. Von der Ruhe, die der andere meint, hast du nichts bemerkt.
Vielleicht hat er trotzdem recht. Manche Eigenschaften lassen sich von innen kaum wahrnehmen, weil du mit ihnen wahrnimmst. Deine Geduld spürst du nicht als Geduld, sondern höchstens als ausbleibende Eile, und wenn etwas ausbleibt, fühlt es sich selten nach Besitz an. Deutlicher spürst du die Momente, in denen sie dir fehlt.
So kann es geschehen, dass du dich nach etwas sehnst, das andere längst an dir kennen. Ihr Hinweis beendet die Sehnsucht aber nicht. Prüfen kannst du ihn nicht, du kannst ihn nur glauben oder bezweifeln. Es ist nicht einmal sicher, dass deine Unruhe und die Ruhe, die er bei dir findet, Gegensätze sind.
Er bleibt noch eine Weile sitzen. Du schenkst Tee nach und denkst wieder an die Rechnung.