10. Juli

In jedem Ding wohnt ein Funke. Wer ihn sieht, dient mit Freude — und nimmt selbst das Dunkel an als ein verborgenes Gutes.

Israel ben Elieser (Baal Schem Tow) Schivche ha-Bescht (frei übertragen)

Hörmodus

In jedem Ding wohnt ein Funke. Wer ihn sieht, dient mit Freude — und nimmt selbst das Dunkel an als ein verborgenes Gutes.

Israel ben Elieser (Baal Schem Tow)

Über eine schwere Zeit sagst du vielleicht irgendwann, sie habe dich etwas gelehrt. Oft stimmt der Satz sogar. Du bist geduldiger geworden, hast gemerkt, wer bleibt, und kennst eine Angst, die dich nicht mehr überrascht. Trotzdem kommt er erst im Nachhinein. Er gibt den Monaten einen Zweck, den sie damals nicht hatten.

Schwieriger wird es, wenn jemand anderes ihn dir mitten in der Sache sagt: Wer weiß, wofür das gut ist. Gemeint ist es freundlich. Doch es klingt, als solltest du schon jetzt quittieren, was du noch gar nicht überblickst. Was du an Gutem darin findest, gehört dir nur, solange du es selbst findest, in deinem Tempo, und solange du auch nichts finden darfst.

Annehmen und Rechtfertigen liegen hier nah beieinander. Du kannst mit einer Zeit Frieden schließen, ohne ihr recht zu geben, und mitnehmen, was sich zeigt. Die Monate selbst bleiben so lang, wie sie waren.

Anna Atkins, Polysiphonia urceolata, Cyanotypie
Polysiphonia urceolata · Anna Atkins, Cyanotypie, 1843–53 · aus Photographs of British Algae Mehr über Anna Atkins ›
Anna Atkins, Polysiphonia urceolata, Cyanotypie

Polysiphonia urceolata · Anna Atkins, Cyanotypie, 1843–53 · aus Photographs of British Algae