6. Juli
Sag mir, wohin sind sie gegangen, die Schönen, die man einst so rühmte? Und wo, wo ist der Schnee vom vergangenen Jahr?
Die Ballade von den Damen vergangener Zeiten (frei übertragen)
Hörmodus
Sag mir, wohin sind sie gegangen, die Schönen, die man einst so rühmte? Und wo, wo ist der Schnee vom vergangenen Jahr?
Manches verschwindet ohne Abschied. Ein Name, den eine Zeit lang alle kannten, eine Redewendung, die in jedem zweiten Gespräch auftauchte, ein Lokal, in das alle gingen. Wenn dir später auffällt, dass davon niemand mehr spricht, kannst du kaum sagen, wann es aufgehört hat. Es gab keinen letzten Tag, nur eine Reihe von Tagen, an denen es nicht mehr vorkam.
Einen Verlust mit Datum kannst du betrauern. Ein Verblassen bemerkst du kaum, solange es geschieht. Und du warst daran beteiligt: Auch du hast den Namen irgendwann nicht mehr gesagt, ohne es je zu beschließen.
Zugleich kehrt vieles der Art nach wieder. Neue Namen werden gerühmt, neue Wendungen machen die Runde, und sie wirken ebenso dauerhaft. Das Muster wiederholt sich. Das Einzelne nicht.
Die Frage, wohin es gegangen ist, setzt einen Ort voraus. Wahrscheinlicher ist, dass es einfach nicht mehr gebraucht wurde. Was dir in diesem Jahr selbstverständlich ist, erwähnst du gerade deshalb kaum. Irgendwann wirst du es gar nicht mehr erwähnen, und den Unterschied wirst du lange nicht bemerken.