4. Juli

Was wir suchen, ist dies: dass die Seele immer gleichmäßig gehe, in gutem Stande, mit sich zufrieden, ihre Verfassung liebend und diese Freude nicht unterbrechend — ein stilles Gleichmaß. Die Griechen nennen es Euthymia. Ich nenne es Ruhe.

Seneca Von der Seelenruhe, 2

Hörmodus

Was wir suchen, ist dies: dass die Seele immer gleichmäßig gehe, in gutem Stande, mit sich zufrieden, ihre Verfassung liebend und diese Freude nicht unterbrechend — ein stilles Gleichmaß. Die Griechen nennen es Euthymia. Ich nenne es Ruhe.

Seneca

An einem gereizten Tag gibt es oft zwei Verstimmungen. Die erste gilt dem, was dich stört: einer Mail, dem Lärm im Treppenhaus, einem Satz, der falsch ankam. Die zweite gilt dir selbst, weil du dich davon stören lässt. Du wolltest gelassener sein, und nun ärgerst du dich schon wieder.

Die zweite ist schwerer zu bemerken, weil sie sich wie ein Anspruch anfühlt. Sie scheint zu beweisen, dass dir an dir etwas liegt. Gibst du sie auf, so fürchtest du, könntest du nachlässig werden und dich mit jeder Laune abfinden.

Nur macht sie die erste selten kleiner. Meist verlängert sie sie. Aus einem schlechten Vormittag wird ein Urteil über dich, und dieses Urteil hält länger als jeder Anlass.

Vielleicht ist Gleichmaß weniger eine gute Stimmung als die Weigerung, dir selbst in den Rücken zu fallen: gereizt zu sein und trotzdem auf deiner Seite zu bleiben. Ob das schon Nachsicht ist oder bereits Bequemlichkeit, kannst du von innen schwer prüfen.

Der Ärger über die Mail ist danach noch da. Nur steht er jetzt allein.

Anna Atkins, Griffithsia multifida, Cyanotypie
Griffithsia multifida · Anna Atkins, Cyanotypie, 1843–53 · aus Photographs of British Algae Mehr über Anna Atkins ›
Anna Atkins, Griffithsia multifida, Cyanotypie

Griffithsia multifida · Anna Atkins, Cyanotypie, 1843–53 · aus Photographs of British Algae