1. Juli
Eintagswesen sind wir. Was ist der Mensch, was ist er nicht? Ein Traum von einem Schatten. Doch fällt ein Glanz, von den Göttern geschenkt, so leuchtet hell die kurze Zeit und sanft das Leben.
Pythische Oden (frei übertragen)
Hörmodus
Eintagswesen sind wir. Was ist der Mensch, was ist er nicht? Ein Traum von einem Schatten. Doch fällt ein Glanz, von den Göttern geschenkt, so leuchtet hell die kurze Zeit und sanft das Leben.
Manches Gute lässt sich niemandem zuschreiben. Ein Befund fällt harmlos aus, ein Gespräch gelingt, obwohl du kaum vorbereitet warst, ein ganzer Nachmittag fühlt sich leicht an, ohne dass du sagen könntest, warum. Du möchtest dich bedanken und weißt nicht, bei wem.
Dann liegt es nahe, das Glück doch irgendwo unterzubringen. Du erklärst es dir mit deiner Gelassenheit, mit einer klugen Entscheidung am Morgen, mit einem Verdienst, das sich im Nachhinein finden lässt. So wird aus dem Geschenk ein Ergebnis. Das beruhigt, denn Ergebnisse lassen sich wiederholen.
Nur verändert sich dabei auch der Tag selbst. Was dir zugefallen war, hat dich nachsichtig gemacht, beinahe großzügig, gerade weil es nicht von dir kam. Als Leistung verbucht, verlangt es eine Fortsetzung, und der nächste gewöhnliche Tag sieht plötzlich wie ein Rückschritt aus.
Vielleicht darf der Dank ohne Adresse bleiben. Am Abend hältst du jemandem die Tür auf, etwas länger als nötig.