25. Juni
Nicht der Ort schafft den Frieden, sondern die gesammelte Seele; die Einsamkeit gibt dich dir selbst zurück.
Vom einsamen Leben (frei übertragen)
Hörmodus
Nicht der Ort schafft den Frieden, sondern die gesammelte Seele; die Einsamkeit gibt dich dir selbst zurück.
Allein zu sein heißt noch nicht, bei dir zu sein. Oft ist das Zimmer leer und der Kopf voll. Du führst ein Gespräch von gestern zu Ende, findest endlich die bessere Antwort und erklärst jemandem, der nicht da ist, was du eigentlich gemeint hattest. Die anderen sind gegangen, aber du sprichst weiter in ihre Richtung.
Erst wenn dieses innere Reden nachlässt, wird es eigentümlich still. Dann merkst du, wie viel von dem, was du für deine Gedanken gehalten hast, Antworten waren. Ohne Gegenüber fehlt ihnen der Anlass. Was übrig bleibt, ist leiser und weniger geordnet: ein Interesse, das du lange nicht verfolgt hast, eine Müdigkeit, die du überspielt hattest, eine Frage, die sich an niemanden richtet.
Angenehm ist das nicht unbedingt. Wer dir da zurückgegeben wird, ist dir nicht ganz vertraut, gerade weil er niemandem etwas beweisen muss. Du kannst ihn leicht für Leere halten.
Später klingelt das Telefon, und du hörst dich antworten, gewandt und schnell. Für einen Moment klingt deine eigene Stimme ein wenig nach Übersetzung.