22. Juni
Wie viel Muße gewinnt, wer nicht darauf sieht, was der Nächste sagt, tut oder denkt — sondern allein auf das, was er selbst tut, dass es gerecht sei und gut.
Selbstbetrachtungen IV,18
Wer soll reiten?
Wie viel Muße gewinnt, wer nicht darauf sieht, was der Nächste sagt, tut oder denkt — sondern allein auf das, was er selbst tut, dass es gerecht sei und gut.
Ein Müller und sein Sohn wollten ihren Esel auf dem Markt verkaufen. Damit er frisch ankäme, banden sie ihm die Füße zusammen und trugen ihn. Der erste Passant brach in Gelächter aus.
Sie ließen das Tier herunter. Nun ritt der Sohn, und der Vater ging zu Fuß. Drei Kaufleute fanden es schändlich, dass der Junge sich tragen ließ, während der Alte laufen musste.
Sie tauschten. Bald begegneten ihnen Mädchen, die den Vater verspotteten: Er sitze bequem, während sein Sohn hinterherhinke. Also holte er den Jungen zu sich auf den Rücken des Esels.
Die Nächsten beklagten das arme Tier unter seiner doppelten Last.
Schließlich gingen beide zu Fuß. Wieder kam jemand vorbei. Ob sie ihre Schuhe abnutzen wollten, um den Esel zu schonen?
Der Müller erklärte, von jetzt an werde er nach seinem eigenen Kopf handeln, ob man ihn dafür lobe oder tadle.