19. Juni

In seinem Willen ist unser Friede. Er ist das Meer, zu dem alles strömt, was er erschafft und die Natur bewegt.

Dante Alighieri Die Göttliche Komödie – Paradiso (frei übertragen)

Hörmodus

In seinem Willen ist unser Friede. Er ist das Meer, zu dem alles strömt, was er erschafft und die Natur bewegt.

Dante Alighieri

Manchmal fällt etwas aus, auf das du dich eingestellt hattest. Eine Absage kommt, oder der Zug fährt nicht. Nach dem ersten Ärger bemerkst du etwas Unerwartetes: Erleichterung. Du wolltest den Abend ja. Aber du hättest ihn auch durchhalten müssen, pünktlich sein, gesprächig, wach.

Diese Erleichterung ist zweideutig. Ein Teil davon ist bloß Entlastung. Nicht du hast abgesagt, also musst du nichts erklären. Ein anderer Teil ist schwerer zu fassen. Für einen Moment musst du nicht der Ursprung von allem sein, was geschieht. Etwas anderes hat entschieden, und dir bleibt, dem zuzustimmen.

Von außen sehen beide gleich aus. Doch die eine Erleichterung hofft heimlich, öfter so davonzukommen. Die andere lässt deinen Willen nicht verschwinden. Sie gibt ihm nur eine ungewohnte Richtung: Er richtet sich nun auf etwas, das du nicht selbst eingefädelt hast. Wie viel Ruhe darin liegen kann, bemerkst du kaum, solange du alles selbst bestimmst.

Du ziehst die Schuhe wieder aus. Welche der beiden Erleichterungen es war, zeigt sich vielleicht erst daran, wie du den Abend verbringst, der dir nun ungeplant gehört.

Anna Atkins, Laurencia dasyphylla, Cyanotypie
Laurencia dasyphylla · Anna Atkins, Cyanotypie, 1843–53 · aus Photographs of British Algae Mehr über Anna Atkins ›
Anna Atkins, Laurencia dasyphylla, Cyanotypie

Laurencia dasyphylla · Anna Atkins, Cyanotypie, 1843–53 · aus Photographs of British Algae